Samstag, Juli 04, 2009

Uckermark

Die Hertha hat heute das erste Testspiel der Vorbereitung absolviert. 5:2 bei Rot-Weiß Prenzlau im Uckerstadion. Ich bin hingefahren und habe auch einen echten Paparazzenschuss mitgebracht: Die Fußballschuhe (samt Inhalt) von Fanol Perdedaj, der jüngsten Verstärkung im Kader. Er wird in zwei Wochen 18, in diesem Jahrgang ist er der einzige, der aus der Nachwuchsarbeit zu den Profis übernommen wurde. Perdedaj ist für das defensive Mittelfeld designiert, heute kam er in der 62. Minute auf das Feld, und fiel dann nicht weiter auf in einem Match, aus dem niemand große Schlüsse wird ziehen wollen. Wichniarek spielte die erste Halbzeit, wie auch Lennart Hartmann, der im Vorjahr aus der Jugend zu den Profis stieß und trotz seiner langen Verletzungspause ziemlich integriert wirkt.

Das Uckerstadion ist klein, man steht direkt neben der Laufbahn, die das Spielfeld begrenzt. Das heißt, man sieht so viel wie der Trainer - nicht viel, meiner Meinung nach. Aber vermutlich kann man diesen Blick auch üben. Lúcio nutzte selbst ein Match wie dieses, um seine Anwartschaft auf ein echtes Comeback zu unterstreichen. Während ich so unter den Leuten von Prenzlau stand, hatte ich das Gefühl, dass die deutsche Wiedervereinigung doch irgendwie ein Erfolg ist.

Nach dem Schlusspfiff stürmten die Kids, wie es sich gehört, das Feld. Rodnei und Raffael erwiesen sich als die populärsten (oder einfach nur die geduldigsten?) Herthaner. Auf der Rückfahrt zog jemand die Notbremse, es ging aber gleich wieder weiter im Regionalexpress zum Gesundbrunnen. War gut, endlich wieder Fußball zu sehen.

Freitag, Juli 03, 2009

Thronfolgen

Der neue Stürmer der Hertha ist ein (inzwischen) alter Bekannter: Artur Wichniarek (32) kommt von Absteiger Arminia Bielefeld, er kostet 700000 Euro und deutlich weniger Gehalt, als Marko Pantelic erhofft hatte. Eine mutige Entscheidung von Michael Preetz und Coach Favre, mutig angesichts der großen Widerstände, die manche Fans überwinden werden müssen, denn Wichniarek war schon einmal bei der Hertha, von 2003 bis 2006.

Die Gegner werden sich wohl weniger fürchten vor dem polnischen Angreifer, der sich hoffentlich über den Sommer wieder die Haare wachsen lässt nach der ein wenig pathetischen Trauerglatze vom letzten Frühling. Ich habe seinerzeit gern den naheliegenden Ruf vom "König Artur" ins Olympiastadion vernehmen lassen - dieses Blog, das demnächst fünf Jahre alt wird, ließ es sich damals immer wieder angelegen sein, Wichniarek gegen seine Verächter zu verteidigen. Man wusste 2003 noch nichts von den Anforderungen eines Trainers wie Lucien Favre, aber Wichniarek hätte sie alle erfüllt: er lief gut, spielte intelligente Pässe, und schloss selbst ab. Leider de facto nur ganz selten.

Er wurde von Huub Stevens und Falko Götz grob missverstanden, und stand somit sogar noch im Schatten von Fredi Bobic, dem Manager Hoeneß damals jenen Rentenvertrag gegeben hatte, in den Favre jetzt für Marko Pantelic nicht mehr einwilligte. Und so muss dieser Transfer auch gesehen werden: Wichniarek ersetzt im Planspiel von Favre das serbische Idol Marko Pantelic - dazu wird er auch in der Lage sein. Insgesamt wird aber mehr Bewegung im Angriff herrschen: Chermiti und Domovchyiski werden ihre Chancen bekommen, ich kann mir gut vorstellen, dass auch noch ein weiterer junger Angreifer verpflichtet wird.

Die Hertha ordnet sich mit ihren Transfer brav hinten ein, sie erhebt nicht den Anspruch, die Top 5 zu verteidigen, sie will allenfalls wieder für Überraschungen sorgen. Den Thron, den König Artur seinerzeit nie bestiegen hat, hatte Marko Pantelic nun vier Jahre souverän inne. Da er zur Abdankung gezwungen wurde, ist jetzt wieder Platz für ein interessantes Manöver - die Hertha im Aufbruch setzt sich die Tarnkappe des "ancien régimes" auf. Allez!

Donnerstag, Juli 02, 2009

Kraichgau

Josip Simunic wird die Hertha verlassen. Die TSG 1899 Hoffenheim wird die festgeschriebene Ablösesumme von sieben Millionen Euro bezahlen, er bekommt einen Dreijahresvertrag zu gleichen oder sogar ein bisschen besseren Konditionen als bei der Hertha. Ein Fußballspieler im Alter von 31 Jahren muss ein Angebot dieser Art annehmen, wenn er nicht als Romantiker in die Annalen eingehen will.

Versetzen wir uns einmal in die Lage von Ralf Rangnick. Warum zahlt er so viel Geld für einen guten, aber keineswegs herausragenden Verteidiger? Ich vermute einmal, dass Jo sich diesen Vertrag nicht nur mit seinen Zweikampfwerten und seinem Stellungsspiel erarbeitet hat, sondern auch mit dem Mikrophon. Wie er in der Rückrunde bei der Hertha die Initiative ergriffen hat, wie er die Saisonziele, die von der Clubführung nur im Understatement formuliert werden konnten, höher hängte, wie er die Fans in der Kurve addressierte - das hatte Format, und Hoffenheim kann davon gut noch was brauchen.

Die Hertha hingegen fällt mit dem Abschied von Simunic noch ein Stück stärker auf die Philosophie des Kollektivs zurück. Von Bergen oder Janker (ich hoffe eher nicht: Rodnei oder Kaká) müssen künftig neben Kapitän Arne Friedrich spielen, das wird keiner gegnerischen Mannschaft den ganz großen Respekt einflößen. Die Hertha wird auch in der kommenden Saison mit allen elf Leuten verteidigen müssen - ob es ihr da auch gelingt, das Angriffsspiel zu verbessern, wie es dringend notwendig ist? Sagen wir es einmal so: Sie fängt jedenfalls nicht ganz bei Null an.

Dienstag, Juni 30, 2009

Luftstand

Wir waren gestern anderweitig (kulturell) beschäftigt, während die U21 von Deutschland sich mit 4:0 gegen England durchsetzte. Ich weiß also nur aus den Zeitungen vom Sieg der Begabtentruppe vor Manuel Neuer. Das Duell, das mich am meisten interessiert hatte, kam erwartungsgemäß ohnehin nicht zustande: Patrick Ebert gegen Kieran Gibbs, Hertha BSC gegen FC Arsenal, zwei Spieler, für die ich viel übrig habe. Für Ebert war es eine vertrackte EM, auf seiner Position wurden ihm Castro oder Johnson vorgezogen, er kam im defensiven Mittelfeld links zu Einsätzen, mit denen er nicht zufrieden sein kann.

Aus seiner Reaktion nach dem Halbfinalsieg gegen Italien kann man schließen, dass er sich unverdrossen zur Mannschaft zählt und sich die Stimmung nicht verderben hat lassen. Er konnte sich nicht in den Mittelpunkt spielen, die Scouts werden andere deutsche Spieler notiert haben (Beck! Neuer! Özil! Höwedes! Boateng!), vermutlich wird Hertha nun auch den Transferüberschuss mit einem anderen Spieler erwirtschaften müssen (die letzte Nachricht ist, dass Simunic nach Hoffenheim wechselt). Gojko Kacar hat sich besser geschlagen in Schweden, für ihn wird es wohl noch in diesem Sommer Angebote geben. Langsam kommt Bewegung in die Sache.

Mit dem Bild von Horst Hrubesch in den Sphären, in denen heuer schon Pep Guardiola war (hoch über jubelnden Spielern, mit beeindruckendem Luftstand), können die deutschen Jungstars in den Urlaub gehen. Ob sie auch alle zu ihren Clubs zurückkehren werden, wird spannend zu beobachten sein. Vermutlich hat Hrubesch in den letzten Wochen die nächste große deutsche Legionärsgeneration betreut.

Freitag, Juni 26, 2009

Gerüchtemühle

In Deutschland kommen Gerüchte aus der Küche, in England werden sie in der Mühle ("rumour mill") so lange gemahlen, bis allen das Mehl zum Hals heraus hängt. Die Saison ist aus, die Saison hat noch nicht begonnen, die Webseiten der Clubs wissen auch nicht so richtig, was es gerade geschlagen hat. Deswegen war auch das erste Training der Hertha für die neue Saison gestern von vielen Ereignislosigkeiten überschattet. Ich benenne einmal zwei Umstände, die unleugbar sind: Christoph Janker und Fanol Perdedaj haben zum ersten Mal mit der Mannschaft trainiert, der erste ein ablösefreier Neuzugang aus Hoffenheim, der zweite ein 17jähriger defensiver Mittelfeldmann aus der Hertha-Jugend, Staatsangehörigkeit: Albanien.

Alle Journalisten wollten aber natürlich Neuigkeiten zu der Causa Simunic wissen, die eine solche nur werden konnte, weil die Außendarstellung der Hertha in den letzten Wochen ein wenig naiv war. Vielleicht hat das damit zu tun, dass der Pressesprecher der Hertha, Hans-Georg Felder, noch der Ära Hoeneß nachtrauert. Ich bin mir zwar sicher, dass Coach Favre bei seinen Aussagen bis zu einem gewissen Grad uncoachbar ist, aber muss er wirklich der ganzen Welt erzählen, dass er Josip Simunic eine Textnachricht geschickt hat (genauer Wortlaut: "Ich habe auch eine SMS kontaktiert, aber keine Antwort" - vielleicht hätte er gleich die Antwort kontaktieren sollen)?

Muss wirklich alle Welt schon seit Wochen wissen, dass Hertha einen Transferüberschuss erwirtschaften muss? Müsste der Journalist, der die Sache mit Simunic angeblich frei erfunden hat (dass Favre nämlich ihm keine dritte gute Saison zutraut), nicht schon längst einmal mit einer "exklusiven" Insidermeldung ein wenig ins Rutschen gebracht werden? Bei Hertha bekommt man nicht den Eindruck, dass allzu clever mit den Medien umgegangen wird, auch das wird eine Herausforderung für Michael Preetz sein, da ein wenig mehr "spin" hineinzubekommen.

Wie schwer das ist, kann man allerdings im Moment auf einem noch wesentlich verkommeneren Medienmarkt studieren. In England sind die Zeitungen während des Sommers brutal in ihren Interventionen, sie jagen die Clubs mit halbgaren Meldungen und zusammengeschusterten Spieler-Statements geradezu vor sich her. Aktuelles Beispiel: Ein Interview mit Cesc Fabregas, mit dem die Zeitung, die kein anständiger Liverpool-Fans lesen würde, einen Keil zwischen Arsenal und den Mannschaftskapitän treiben wollte. Grundlage war ein spanisches Interview, das das Londoner Revolverblatt so "montierte", dass daraus eine Absage an Arsenal wurde. Diese Absage, die keine war, musste von Fabregas jetzt trotzdem dementiert werden.

Das einzig Tröstliche an dieser Malaise ist, dass niemand sie kontrollieren kann, und es hat sich auch schon mancher Spieler/Agent verspekuliert bei seinen Machinationen. Josip Simunic muss jetzt auch erst einmal sehen, ob sich bis kommenden Dienstag noch jemand meldet, der sieben Millionen Euro für ihn zahlen möchte. Danach ist er ganz einfach Verhandlungsmasse, oder aber ein guter Herthaner, der alles dafür tut, eine tolle dritte Saison unter Coach Favre zu spielen.

Dienstag, Juni 23, 2009

Wühltisch





Der ZDF-Reporter Béla Réthy sprach gestern dauern von dem "zweiten Anzug" der englischen U21, gegen den der deutschen Nachwuchsmannschaft nur ein 1:1 gelang, damit aber immerhin die Qualifikation für das Halbfinale. Réthy hatte von den meisten englischen Spielern noch nie etwas gehört und schloss daraus, dass jeweils nur deren Mutter von ihrer Existenz überhaupt etwas wusste.

Der Reporter war dann auch über die neunzig Minuten in Halmstad, vor vier Jahren Ort eines denkwürdig undenkwürdigen 1:0-Siegs von Hertha BSC im Uefacup, meistens im falschen Film. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die englische U21, die auf ihre besten Kräfte lange Zeit verzichtete, auch Fußball spielen könnte. Immerhin gestand er nach einer Weile zu, dass dieser "zweite Anzug (...) nicht vom Wühltisch" stammte. Einer er Leidtragenden von Réthys indisponiertem Kommentar war Patrick Ebert, der an ungewohnter Stelle, nämlich im defensiven Mittelfeld links neben Khedira aufgeboten wurde.

Dem Herthaner gelang gestern tatsächlich wenig, was Réthy aber nicht so richtig verstand, war der Anteil der Engländer daran. Sie waren ganz einfach die bessere Mannschaft, aggressiver, technisch versierter und geduldiger. Ebert versuchte immer wieder den schnellen und überraschenden Pass, für die damit einhergehende Fehlerquote war aber gestern kein Platz.

Weil die ganze Betreuerriege anscheinend jetzt ein wenig unzufrieden ist, könnte Ebert im nächsten Spiel wieder auf der Bank sitzen. Horst Hrubesch ist sicher ein guter Typ, gestern müsste ihm aber das Spiel der Engländer doch sehr zu denken gegeben haben, in die Richtung nämlich, wie er mit einem 4-6-0-System auf Dauer gegen variable Gegner bestehen will. Im Sechsermittelfeld war Patrick Ebert so weit hinten, wie er es nicht gewohnt ist und wie es auch seinem Stil nicht entspricht - er braucht Platz, um seine Dynamik auszuspielen. Außen schafft er sich den Platz durch Antritt oder Volte, im Zentrum fehlt ihm noch die Ruhe für den kühlen, kürzeren Pass.

Die Engländer, deren Mannschaft auch deutlich jünger war als die deutsche, gefielen mir sehr gut, auch wenn die Arsenal-Stars Walcott und Gibbs gegen Ende nicht mehr viel ausrichten konnten oder wollten. Hoffentlich treffen die beiden Auswahlen im Finale noch einmal aufeinander, dann ist vielleicht auch Béla Réthy vorbereitet.

Freitag, Juni 19, 2009

Gordon Stipic

Ich lese gern Zeitung, auch wenn ich weiß, dass gerade jetzt im Sommer die Geschichten aus der Fußballwelt mit großer Vorsicht zu genießen sind. So stand zum Beispiel neulich irgendwo, dass Coach Favre nicht so recht glauben mag, dass Josip Simunic noch einmal eine so gute Saison spielen kann wie die gerade abgelaufene. Was immer da genau und in welchem Kontext gesagt wurde (und wer was durchsickern ließ): Die Misstrauenserklärung kam als solche bei Simunic an, und sein Berater Gordon Stipic hat nun auch gleich erklärt, dass das Vertrauensverhältnis zerstört sei.

Der Coach hätte damit binnen weniger Wochen seine zwei angestammten Innenverteidiger gegen sich aufgebracht, den nominellen und den gefühlten Captain, Friedrich und Simunic. Knapp zwei Wochen sind noch Zeit, um für den Kroaten einen neuen Verein zu finden, der die festgeschriebene Ablöse von sieben Millionen Euro bezahlen würde. Stipic zielt mit seiner Aussage klarerweise darauf ab, dass Hertha da eventuell noch nachgeben wird müssen, nun, da sie sich so blöd positioniert hat bzw. da sie von der Journaille so rücksichtlos positioniert wurde.

Klarerweise kann der Verein nicht jetzt einfach sagen, wen er am liebsten verkaufen würde. Das Problem ist viel älter: Hertha hat ohne Not der ganzen Welt bekanntgegeben, dass sie einen Transferüberschuss von fünf Millionen erwirtschaften muss. Diese Zahl ist seither heraußen, und jeder Fan, jeder Journalist, jeder Berater rechnet sich sein Modell schön - zehn Millionen für Raffael von Lyon macht vier Millionen Ablöse für den Chilenen Barros, zehn Millionen für Kacar würde bedeuten, dass Simunic gehalten werden kann (der aber nicht mehr will).

Es gibt übrigens gute Gründe, die Leistungen von Josip Simunic in der vergangenen Saison gelassen zu analysieren. Er war oft sehr gut, ein echter Leader, er hatte aber in kritischen Situationen auch Glück (auswärts in Wolfsburg entkam er der roten Karte nur mit Glück), und in wegweisenden Spielen (in Stuttgart vor allem) sah er nicht gut aus. Ich mag ihn sehr, aber ich sehe auch, dass ein Innenverteidiger mehr Varianten der Spieleröffnung haben kann als Simunic, und dass seine Motivation ein wenig gelitten haben mag im Mai 2009.

Der Coach hat also vermutlich einfach gesagt, was Sache ist: Wenn jemand sieben Millionen zahlen will, dann kann die Hertha sowieso nichts tun, und ersetzen wird sie ihn wohl oder übel können müssen und vielleicht sogar wollen, weil Kacar und Raffael mittelfristig noch wertvoller werden könnten.

Mittwoch, Juni 17, 2009

Helsingborg

Gojko Kacar dürfte gestern seinen Marktwert noch einmal ein bisschen erhöht haben, er hat nämlich beim torlosen Remis von Serbien gegen Italien im Rahmen der U21-EM eine gute Leistung mit einem spektakulären Seitfallrückzieher gekrönt, der vom Pfosten wieder ins Feld zurückprallte. Ich habe mir das Spiel auf einem rumänischen Stream angeschaut und bin erst in der zweiten Halbzeit eingestiegen.

Es dauerte eine Weile, bis ich Kacar in der taktischen Formation der Serben finden konnte - er spielte nämlich überraschend weit vorne, de facto häufig einen defensiven Mittelstürmer, wenn es so was gibt. Das ist ja auch genau die Qualität, für die man ihn bei der Hertha schätzt: seine Aggressivität, sein Auftauchen in Strafraumnähe, sein Zug in den leeren Raum. Dazu waren gestern seine Tacklings (im Bild schreitet er gegen den italienischen Jungstar Giovinco ein) weitgehend fair, bei der Hertha ist er ja manchmal die Spur zu wild.

Die Hertha kann froh sein, dass sie ihn hat, sollte sie ihn verkaufen müssen, dürfen die zehn Millionen nicht unterboten werden. Nun noch das Gerücht zum Tag: Jerome Boateng soll angeblich auf dem Zettel des FC Arsenal stehen. Ist sicher an einer Hotelbar in Helsingborg entstanden, diese Neuigkeit, hat aber eine gewisse Faszination. Ich werde mich ihr heute gelegentlich hingeben.

Dienstag, Juni 16, 2009

Gamla Ullevi

Nach einer aufregenden Woche ist die Nachrichtenliga in Sachen Hertha jetzt eher dünne. Dass Sportdirektor Preetz sich mit Coach Favre trifft und bespricht, wird uns nicht überraschen. Dass er das in Zürich tut, ist eine Formalie - auch ein Fußballtrainer will gelegentlich zu Hause sein. Der HSV soll angeblich auf Gojko Kacar reflektieren, von dem heute bekannt wurde, dass er bisher 30000 Euro monatlich verdient hat (plus eine sechsstellige Jahressumme als Punkteprämie) und nun in die nächsthöhere Gehaltsklasse aufsteigt. Die Hertha hat ihm nämlich einen gestaffelten Vertrag gegeben, sinnvolle Sache das.

Die nicht ganz leicht von der Hand zu weisenden Entzugserscheinungen nach bald einem Monat Pflichtspielpause werden seit gestern durch die U21-EM in Schweden entschärft - hatte ich gar nicht so richtig auf dem Schirm, dass da ein richtiges Turnier mit vielen tollen Mannschaften stattfinden würde gerade in der dürren Zeit. Gestern spielte Deutschland gegen Spanien torlos, zeigte aber eine tolle zweite Halbzeit. Patrick Ebert kam zwar nur sechs Minuten zum Einsatz (ich hätte ihn schon nach 70 Minuten gern für Castro gesehen, nächstes Mal dann bitte von Beginn an), er schlug zwei präzise Diagonalpässe über das halbe Feld, mehr konnte er nicht zeigen. Dafür überzeugte Jerome Boateng als Innenverteidiger, und Asche Dejagah bemühte sich um einfallsreiches Spiel in der Offensive.

Mesut Özil aka Buster Keaton (Assoziation: Christian P.) war geradezu brillant, ihn würde ich ihn zwei Jahren gern bei Arsenal sehen. Das Stadion in Göteborg, in dem gespielt wurde, heißt übrigens Gamla Ullevi und ist hiermit für einen Besuch in naher oder ferner Zukunft notiert. Heute spielt Italien gegen Serbien, dabei wird der Auftritt von Gojko Kacar erwartet, auf den dann die vielen Scouts schauen werden, die nach Schweden gefahren sind, um sich aus der Riege der Talente zu bedienen.

Sonntag, Juni 14, 2009

Bonanza

Erhebliche Summen waren in der vergangenen Woche im Spiel, als die Transfers von Kaká vom AC Mailand und Cristiano Ronaldo von Manchester United zu Real Madrid verhandelt wurden. Die hohen zweistelligen und sogar dreistelligen Millionenbeträge gelten nicht wenigen professionellen Beobachtern als obszön, zumal sich mit dem Geld wiederum eine ganze Reihe weiterer Spiele aus Verträgen bei anderen Clubs auslösen lassen könnten: Benzema (Lyon), Ribery (Bayern), Valencia (Wigan).

Drei Dinge sind interessant an der Neuauflage der Galacticos und an den möglichen Folgen. Erstens profitieren die spektakulären Manöver von Real Madrid von einer spanischen Politik, die nur als Steuerdumping zu bezeichnen ist. Während in England der Steuersatz für Reiche empfindlich gestiegen ist (woraufhin der Berater von Arshavin sofort um eine entsprechende Gehaltserhöhung eingekommen ist), werden in Spanien Topverdiener auf eine bestimmte Zeit sehr milde besteuert - Details in der SZ. Zufällig entspricht dieser Zeitraum fast genau der Vertragslaufzeit, auf die Kaká und Ronaldo sich eingelassen haben.

Zweitens versichert der neue, alte Präsident von Real, Perez, glaubwürdig, dass er die Transfers relativ schnell refinanzieren kann. Selbst englische Journalisten sprechen von einer "shirts bonanza", die Real Madrid in den nächsten Jahren haben wird. Frei übersetzt müsste man von einem "Leibchenrausch" sprechen, ein Goldrausch, eine Trikotmanie, eine Textilmine. Weltwirtschaftskrise hin oder her, mit Namen von globaler Strahlkraft lässt sich immer noch so viel Geld machen, dass auch die vielen gefälschten Jerseys verkraftbar sind.

Drittens sehen Beobachter eine generelle Machtverschiebung von der Premier League zur Primera Division. Fast alle Weltstars sind nun in Spanien, nur Fabregas und Torres sind noch in England. In dieser Angelegenheit bin ich allerdings skeptisch, denn Real Madrid wird sportlich erst einlösen müssen, was die großen Namen versprechen (einen guten Trainer haben sie sich immerhin auch geholt: Pellegrini), und Barcelona wird auch nicht immer so einen perfekten Spielverlauf erwischen wie im CL-Finale. Die englische Liga bleibt für mich vorerst das Maß aller Dinge, aber ich bin natürlich gespannt, wie die große Plattentektonik sich weiterentwickelt, und ob die Bundesliga davon am Ende auch etwas mitbekommt.